Briefkopf Hillenkötter & Ronsieck von 1904

HIROstory: Die ersten Jahre – 1897 bis 1900

Geschrieben am 27.11.2014 von in Allgemein, Historie

Am 1. Oktober 1897 gründeten der Maschinenfabrikant Friedrich Wilhelm Hillenkötter und der Gastwirt Hermann Ronsieck die Maschinenfabrik Hillenkötter & Ronsieck OHG. Einer ihrer ersten Mitarbeiter: Werkmeister Schmidt, der der Firma bis Ende der 1940er treu blieb. Standort der Firma war höchstwahrscheinlich zunächst die Friedrichstraße 16, denn dort hatte sich der Fabrikarbeiter Friedrich Wilhelm Hillenkötter wenige Jahre zuvor mit seiner Maschinenfabrik F. W. Hillenkötter selbständig gemacht. Nach kurzer Zeit erwiesen sich die Betriebsräume als zu klein und die Firma kaufte im Industrieviertel Kamphof in der Nähe des Bielefelder Güterbahnhofs ein größeres Grundstück an, um dort eine neue Fabrik zu errichten. Als erste Firmenanschrift nennt das Bielefelder Adressbuch (1898) sowohl Kamphof als auch Schmiedestraße (jeweils ohne Hausnummer). Erst ab 1900 lautet die Firmenadresse Nordstraße 1.

1898 geprüft vom GewerbeinspektorIn der Bielefelder Wirtschaftsgeschichte ist die Zusammenarbeit zwischen einem technischen Fachmann und einem Kaufmann bei der Gründung eines Industrieunternehmens häufig anzutreffen. Nicht ungewöhnlich war auch die anfängliche Konzentration auf den Bau von Transmissionsanlagen und die Reparatur von Dampfmaschinen, denn seit 1890 war im Bielefelder Maschinenbau insgesamt eine Spezialisierung auf einzelne Produktlinien zu beobachten.

Sehr bald erweiterte das Unternehmen sein Produktprogramm: Man fertigte nun auch Riemenscheiben, Lagerböcke sowie Wellenkupplungen, und die Herstellung von Hebezeugen aller Art begann, insbesondere die Konstruktion und Fertigung von Bock- und Laufkranen.

Nach der Arbeitsordnung von 1898 galt bei Hillenkötter & Ronsieck die 60-Stunden-Woche: Montags bis Samstags begann die Arbeitszeit um 6.45 Uhr und endete um 18.45 Uhr mit insgesamt 2 Stunden Pause (morgens und nachmittags eine Viertelstunde und mittags 1,5 Stunden). Diese langen Arbeitszeiten waren in der deutschen Industrie zu dieser Zeit durchaus üblich.

„Maßgebend für Beginn und Ende der Arbeitszeit ist die Dampfpfeife. Das Rüsten zum Verlassen der Arbeit vor dem Zeichen, ebenso wie die verspätete Aufnahme derselben ist verboten.
Die Auszahlung des Arbeitslohnes bis Abrechnungstage erfolgt regelmäßig alle 14 Tage am Sonnabend in barem Gelde.
Jeder beschäftigte Arbeiter ist verpflichtet, dem Inhaber oder dem Meister in Bezug auf Einrichtung und Arbeit Gehorsam zu leisten, die Aufträge und Arbeit gewissenhaft auszuführen und das Beste des Geschäfts zu wahren und zu vertreten.
Besuche von Verwandten und Freunden in der Fabrik sind nicht gestattet. Das Rauchen, Lärmen und Pfeifen während der Arbeitszeit ist verboten.“

Aus der Arbeitsordnung vom 20.7.1898

Antrag zur Inbetriebnahme des Dampfkessels von 1898

Bereits wenige Monate nach ihrer Gründung kaufte die Firma 1898 im Industrieviertel Kamp-
hof ein 5500 qm-Grundstück, auf dem das Fabrikgebäude mit Kesselhaus, einem 30 m hohen Schornstein und eine Schmiede errichtet wurden.
Die Inbetriebnahme der fabrikneuen Dampfmaschine mit liegendem Einflammrohrkessel, hergestellt von der Brackweder Firma Gronemeyer & Banck, wurde am 15.7.1898 vom königlichen Gewerbeinspektor genehmigt. Gleichzeitig wurde auch ein Dampfhammer der Wittener Firma Gustav Brinkmann & Co. angeschafft und in der Schmiede aufgestellt.

 

Die Bilder zeigen Ausschnitte aus dem Antrag von 1898 zur Inbetriebnahme des Dampfkessels.
Der 
Dampfhammer hatte ein Fallgewicht von 200 kg und eine Hubhöhe von einem halben Meter. Der Dampfkessel erbrachte eine Leistung von 30 PS über eine Heizfläche von mehr als 35 qm. Die höchste Dampfspannung lag bei 7 atü.

„Meister Schmidt, der war so streng: Wenn man mal ´nen Bohrer abgebrochen hatte, dann hatte man Angst in seine Hütte zu gehen, um ´nen neuen Bohrer zu holen, dann gab´s ´ne Abreibung“.

Interview mit Walter Kassing,
23.1.2008

 

Die Texte aus diesem Blogeintrag stammen aus dem Buch „111 Jahre Aufzugstechnik“ von Martin Bockermann und Matthias Meyer.

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