Ausschnitt aus dem Kinofilm mit Marie und Marguerite

Filmtipp: Die Sprache des Herzens

Geschrieben am 02.01.2015 von in Allgemein, Historie, Menschen + Medien, Tipps, Tage + Termine

Wie ein Leben ohne die Sinneseindrücke von Augen und Ohren sein mag, das kann man sich als sehender und hörender Mensch kaum vorstellen. In Deutschland leben etwa 6.000 taubblinde Menschen, viele von ihnen kommunizieren mit ihren Mitmenschen über das „Lormen“:
Hieronymus Lorm

Dabei werden mit Hilfe von unterschiedlichen Bewegungen Buchstaben in die Hand des „Lesenden“ geschrieben. Das „A“ wird beispielsweise durch ein Antippen der Daumenspitze symbolisiert, das „B“ ist ein kurzer Strich über die Mitte des Zeigefingers. Erfunden wurde dieses Alphabet 1881 von Hieronymus Lorm, der selbst mit 15 Jahren durch eine Krankheit taub wurde und dann im Alter von 60 Jahren erblindete.

Dank moderner Technologie ist es Taubblinden heutzutage möglich, auch über digitale Medien zu kommunizieren, beispielsweise über die „Lorm Hand“  oder die Braille-Schrift.

Weitaus schwieriger hingegen war die Kommunikation von taubblinden Menschen noch vor 100 Jahren. Das zeigt eindrucksvoll der französische Film „Die Sprache des Herzens“, der diese Woche in den deutschen Kinos angelaufen ist. Er erzählt die auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte von Marie Heurtin (gespielt von Ariana Rivoire), die 1885 als taubblindes Mädchen in Frankreich geboren wird. Sie wächst bei ihren Eltern auf bis sie 14 ist und wird dann von ihrem Vater in die Obhut eines Klosters gegeben, wo sich Schwester Marguerite (gespielt von Isabelle Carré) um das „wilde kleine Tier“ kümmert. Es ist ein langer Weg für Marie, bis es ihr schließlich dank der Hilfe von Schwester Marguerite gelingt, sich über Blindenschrift und Gebärdensprache mit ihren Mitmenschen zu verständigen.

 

Der Film läuft seit dem 1. Januar in deutschen Kinos. Es gibt eine barrierefreie Version mit Audiodeskription für Blinde und Untertitel für Hörgeschädigte.

Frankreich, 2014. Regie: Jean-Pierre Améris im Concorde Filmverleih.

Titelbild: Concorde Filmverleih

 

 

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