La Scala in Caltagirone

Eine Wissenschaft für sich: Die Treppe

Geschrieben am 28.10.2015 von in Allgemein, Treppenlifte + Aufzüge

Es gibt alltägliche Dinge, die so simpel sind, dass man kaum darüber nachdenkt. Treppen gehören sicherlich für die meisten von uns dazu, zumindest solange man sie noch ohne Probleme selber bewältigen kann. Doch es gibt sogar einen eigenen Wissenschaftszweig namens „Scalalogie“, der sich einzig mit der Erforschung von Treppen befasst, sowohl im historischen Sinne, als auch im Hinblick ihrer Wirkungen auf den Menschen. Bekannte Institutionen, die sich mit Scalalogie beschäftigen sind das Friedrich-Mielke-Institut für Scalalogie in Regensburg sowie die Gesellschaft für Treppenforschung in Frankfurt.

Auch für Architekten, Bauherren und Planer sind Treppen nicht ganz so einfach, wie sie scheinen: In Deutschland legt die DIN-Norm 18065 die Massregeln und Hauptmaße von Treppen im Bauwesen fest. Demzufolge ist beispielsweise ein Treppenlauf auf maximal 18 Stufen zu begrenzen, danach muss ein Ruhepodest folgen. Jeder, der beim Umzug schon einmal eine Waschmaschine über mehrere Treppenläufe geschleppt hat wird wissen, warum. Auch für die nutzbare Laufbreite einer Treppe gibt es Mindestmaße, die zwischen 0,50 und zwei Metern liegen und abhängig vom Standort und Einsatzzweck der Treppe sind. Vor allem wird dabei unterschieden zwischen notwendigen Treppen, für die strengere Auflagen gelten und nichtnotwendigen Treppen, die weit weniger Bedingungen erfüllen müssen.

Treppenbezeichnungen

Neben notwendigen und nichtnotwendigen kann man zahlreiche andere Funktionen und Gegebenheiten von Treppen unterscheiden, beispielsweise nach Standort (vor allem Innen- und Außentreppen) oder nach verwendeten Materialien (Holz-, Stahl-, Betontreppen etc.). Bei der räumlichen Gestaltung von Treppen unterscheidet man hauptsächlich zwischen geraden und gewendelten Treppen:

Bei geraden Treppen haben alle Stufen dieselbe Form und Auftrittsbreite, Richtungsänderungen können nur über Treppenabsätze (auch Podeste genannt) erreicht werden. Findet sich am oberen Ende einer geraden Treppe ein Fenster oder ein freier Raum, so spricht man auch von Himmelstreppen, da beim Aufstieg der Blick in den Himmel möglich ist. Bei allen Treppen, die auch nur teilweise einen gebogenen Treppenlauf haben, spricht man von gewendelten Treppen, wobei die Wendelungen aus Platzgründen oftmals am Antritt und/oder Austritt der Treppe zum Einsatz kommen. Eine rechtwinkelige Biegung des Treppenverlaufs um 90° nennt man viertelgewendelt, eine Richtungsänderung um 180° nennt man halbgewendelt. Bei allen höheren Winkeln spricht man von einer Wendeltreppe.

Foto: creatisima via freeimages.com

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Schon gewusst?

  • WendeltreppeDie meisten gewendelten Treppen werden von unten aus gesehen links herum gewendelt. In Burgen sind Wendeltreppen jedoch meist rechtsherum gewendelt, da dies im Falle einer Verteidigung Vorteile für die in der Burg heimischen (rechtshändigen) Schwertkämpfer hatte: Der von unten kommende Angreifer wurde beim Schlagen mit dem Schwert durch den Mittelpfosten der Treppe behindert, während der oben stehende Verteidiger mit dem Schwert mehr Platz zum ausholen hatte.
  • In Hogwarts soll es insgesamt 142 Treppen zwischen den Etagen und Gebäudeteilen geben, die zum Teil magisch ihre Richtung ändern können. Zwei dieser Treppen sind Dank HIRO LIFT auch für Rollstuhlfahrer barrierefrei zugänglich, allerdings konnten wir bislang noch keine Richtungsänderungen dieser Treppen feststellen. 😉
  • Unmoegliche TreppeDie „Unmögliche Treppe“ (vgl. Bild rechts) wurde 1958 von Lionel und Roger Penrose entdeckt und wird daher auch „Penrose Treppe“ genannt. Die Treppe erweckt den Eindruck, dass sie unendlich auf- bzw. abwärts führt.
  • Raumspartreppen mit halbseitige Stufen, die eine feste Schrittfolge voraussetzen werden wegen der dafür nötigen Hüftbewegung auch Sambatreppen genannt und sind aus Sicherheitsgründen weder als Fluchttreppe noch als alleiniger Zugang zu einer Wohnung zugelassen.

 

Ungewöhnliche Treppen und Treppenrekorde

Die längste Treppe der Welt mit 11.674 Stufen ist die Niesen Treppe in der Schweiz, die einen Höhenunterschied von 1.643 Metern überwindet. Die längste Innentreppe der Welt besteht aus 2.570 Stufen und befindet sich im CN Tower in Toronto, Kanada. Die Treppe im Hauptturm des Ulmer Münsters geht über 768 Stufen, die im rechten Turm des Kölner Doms über 533 Stufen.

Die weltweit bekanntesten Treppen stehen wahrscheinlich in Rom, darunter die Spanische Treppe („Scalinata di Trinità dei Monti“), die von Michelangelo entworfene „Cordonata“ und die von Jerusalem nach Rom gebrachte Heilige Treppe („Scala Santa“), die als Reliquie gilt.

Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich Treppen zudem als Austragungsorte für Laufwettbewerbe. Der „Empire State Building Run-Up“ findet seit 1978 statt. Die Läufer haben dabei 320 Höhenmeter in Form von 1576 Treppenstufen zu bewältigen, Ziel ist die Aussichtsplattform im 86. Stock des New Yorker Wolkenkratzers. Rekordhalter ist derzeit Darrin Eisman, der für die Strecke 9 Minuten und 37 Sekunden benötigte. Ähnliche Veranstaltungen gibt es auf vielen Treppen, beispielsweise auch im Frankfurter Messeturm oder auf der Spitzhaustreppe in Radebeul. Weitere ungewöhnliche und spannende Treppen sind hier zu finden.

Tiger&Turtle

Tiger & Turtle auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe im Angerpark in Duisburg. Foto: NatiSythen unter CC BY-SA 3.0

Das Titelbild des Beitrags zeigt die Freitreppe Santa Maria del Monte, genannt „La Scala“ in Clatagirone, Italien. Die 1606 erbaute Treppe ist eine bekannte Sehenswürdigkeit der sizilianischen Stadt, die zum Weltkulturerbe der spätbarocken Städte des Val di Noto gehört. Im Jahre 1954 wurden die 142 Stufen mit handgemalter Keramik verkleidet, welche die Geschichte der Keramikerstellung zeigen.
Wendeltreppenbild von „mellory“ via freeimages.com

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2 Antworten zu “Eine Wissenschaft für sich: Die Treppe”

  1. Jutta sagt:

    Ich weiß ehrlich nicht, wann ich das letzte Mal so viel gelernt habe! Es war sehr amüsant und gleichzeitig sehr spannend. Das kann auch daran liegen, dass ich mich allgemein sehr für Geschichte und Architektur interessiere. Und am besten beide Bereiche kombiniert.

    Schmunzeln musste ich bei dem Teil „Schon gewusst?“, denn die meisten Fakten kannte ich noch nicht. Das Beispiel mit der rechtsdrehenden Treppe zeigt uns wieder, wie die Architektur so viel über die Geschichte verraten kann. Architektur ist sozusagen das Spiegelbild jeder Epoche und verrät uns, aus welchen Motiven und Gründen man damals gebaut hat.

    Heutzutage ist die Treppe in vielen Bereichen nicht nur eine Möglichkeit Höhenunterschiede zu bewältigen, sondern vor allem im Hausbau sind die Treppen ein Teil der Ästhetik geworden. Man unterscheidet Treppen in verschieden Arten, die jeweils alle nochmal Unterschiede in Material haben. Von der freischwebenden Treppe aus Marmor bis zur Spindeltreppe aus Holzelementen. Mittlerweile wird in der heutigen Bauindustrie keine Grenzen gesetzt.

    Vielen Dank für den aufregenden Beitrag.

  2. […] Die Wissenschaft, die sich mit der Erforschung von Treppen befasst, nennt man „Scalalogie“ […]

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