HIROstory: Fassadenlifte von HIRO LIFT in aller Welt

Geschrieben am 15.12.2015 von in Allgemein, Historie

1963 begann Hillenkötter & Ronsieck mit der Produktion einer speziellen Aufzugsart, den Fassadenliften. Diese Spezialgeräte werden zur Instandhaltung und Reinigung von Fassaden und Fenstern hoher Gebäude eingesetzt. Erfahrungen mit frei schwebenden Aufzügen hatte man bei Hillenkötter & Ronsieck bereits 1952 mit den Schwebebühnen in der Westfalenhalle sammeln können. Auf dem Markt für Fassadenlifte konnte sich Hillenkötter & Ronsieck nicht nur von Anfang an behaupten, sondern es gelang der Firma sogar recht schnell, spektakuläre Großaufträge zu erhalten. Diese brachten Hillenkötter & Ronsieck nicht nur gutes Geld, sondern vor allem internationale Aufmerksamkeit. Der erste spektakuläre Auftrag kam aus den USA, aus Chicago. Hillenkötter & Ronsieck sollte einen Fassadenlift für das 198 m hohe Rathaus der Stadt (Civic Center) bauen. Über ein Jahr brauchte man, um die für dieses Gebäude benötigte Spezialanlage zu konstruieren und zu bauen. Das Ergebnis war der größte Aufzug der Welt.

In Bielefeld entsteht der größte Fahrstuhl der Welt

Schlagzeile der Freien Presse vom 18.2.1965

Civic Center in Chicago
Um die fertige Anlage ausliefern zu können, musste sogar das Tor der Fabrikhalle an der Meller Straße vergrößert werden. Mitte 1965 wurde die gesamte Anlage, die einen Wert von 200 000 DM hatte, in die USA geliefert. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Schon kurz nach der Fertigstellung des Fassadenlifts für das Civic Center zeichnete sich der nächste Großauftrag – für das 259 m hohe First National Bank Building, ebenfalls in Chicago – ab. Diesem Großauftrag folgten weitere. 1968 lieferte Hillenkötter & Ronsieck eine Fassadenliftanlage für das damals zweithöchste Gebäude der Welt (344 m), das John Hancock Center in Chicago, und im Sommer 1971 lieferte man den ersten von zwei Fassadenliften für die Türme des World Trade Centers (415 m und 417 m) in New York.

Die technischen Daten des Civic Center Fassadenlifts:
Hubwagen: Länge: 15 m; 2 Seiltrommeln mit je 1,80 m Durchmesser und 2,50 m Länge;
Gondel: Länge 25 m, Gewicht 1,6 t, max. Nutzlast 1 t (= 13 Personen),
Hubgeschwindigkeit 0,3 m/s;
8 Tragseile mit einer von Stärke von 13 mm;
Hubhöhe: 200 m;
Gewicht der gesamten Anlage: 22 t

 

Fassadenlifte für Chicago und New York

Druckplatte

Dieses spiegelverkehrte Bild einer Original Druckplatte zeigt die Wolkenkratzer von Chicago in den 70er Jahren. Drei der vier höchsten Gebäude waren mit einem Fassadenlift von HIRO ausgestattet. Auch die Fassade des alten World Trade Centers in New York wurde mit der Hilfe eines HIRO LIFTs gesäubert. Der Hubwagen der Liftanlage war um 360 Grad drehbar und wurde zum Reinigen der Fassade über das Dach hinausgeschwenkt (ein eigener Bericht über diesen Lift findet sich hier). Die Vorrichtungen der Fensterputzanlage nutzte die selbsternannte „menschliche Fliege”, der Stuntman George Willig, am 26. Mai 1977, um in 3,5 Stunden die Außenfassade des Nordturms vom Erdgeschoss bis zum Dach zu erklettern. Er wurde von Polizisten in Empfang genommen und zu einer Geldstrafe von 1,10 Dollar verurteilt – 1 Cent pro Stockwerk. Hier haben wir darüber schon einmal berichtet.

Der Hubwagen von HIRO auf dem World Trade Center

World Trade Center, New York

 

Dass eine deutsche Firma in dieser Zeit im Hochtechnologieland USA einen solchen Erfolg hatte, lag in dessen Produktionsstruktur begründet. Die USA waren auf Serienproduktion eingestellt; Einzelanfertigungen waren sehr teuer, so dass sich eine Auftragsvergabe nach Deutschland rechnete. Aber die Fassadenlifte von Hillenkötter & Ronsieck wurden nicht nur in die USA geliefert, sondern in die ganze Welt.

Bei besonders großen Fassadenliften mussten die Ingenieure von Hillenkötter & Ronsieck mehrere technische Probleme lösen. Ein Problem war die Zuführung der Stromkabel vom Hubwagen zur Gondel. Ein frei hängendes Stromkabel vom Hubwagen zur Gondel, die wie beim Civic Center bis zu 200 m und beim World Trade Center über 400 m herabgelassen werden konnte, stellte eine zu große potentielle Gefahr dar. Man löste das Problem auf elegante Weise – die Stromkabel wurden in die Tragseile der Gondel gelegt. Hillenkötter & Ronsieck war die erste Firma, die dieses Verfahren anwandte. Ein weiteres Problem war der Wind, der die Gondel erfassen konnte. Schon ab einer Hubhöhe von 30 bis 40 m mussten die Gondeln in irgendeiner Form geführt werden. Beim Civic Center wurden für die Gondel Führungsschienen an der gesamten Fassade angebracht. Beim World Trade Center wurden die Tragseile der Gondel in ca. 25 mm breiten Nuten geführt, die in der Fassade vorhanden waren.

Kunden, die Fassadenlifte für „normale“ Hochhäuser benötigten, konnten bei Hillenkötter & Ronsieck aus einer Reihe von festgelegten Fassadenlifttypen auswählen, wobei auch diese Geräte individuellen Wünschen und Gegebenheiten angepasst werden konnten. Von Hillenkötter & Ronsieck wurden acht verschiedene Fassadenliftanlagen angeboten, vier mit 200 kg und vier mit 500 kg max. Nutzlast. Den Fassadenlift mit der größten Hubhöhe in Deutschland baute Hillenkötter & Ronsieck für die Deutsche Bank in Frankfurt am Main. Diese Anlage hatte eine Hubhöhe von 91 m bei einer max. Nutzlast von 200 kg. Bis Mitte der 1970er Jahre stellte Hillenkötter & Ronsieck Fassadenlifte her, danach zog man sich aus diesem Geschäft zurück.

Länder, in die Fassadenlifte von Hillenkötter & Ronsieck geliefert wurden:

USA
Südafrika
Singapur
Südkorea
Iran
Großbritannien
Frankreich
Niederlande
Dänemark
Österreich
Bulgarien
Jugoslawien
Tschechoslowakei

Rechts: Der Fassadenlift für das 93 m hohe Garforres Building (Mobil House), Kapstadt (Südafrika)

Ein Fassadenlift von HIRO in Südafrika

Technische Details zu den Fassadenliften:

First National Bank Building:

10 m lange Gondel mit 500 kg max. Nutzlast, Hubhöhe: 260 m

John Hancock Center:

Eine Seiltrommel mit einem Durchmesser von 1,80 m und einer Länge von 5 m. 20 m lange Gondel mit einer max. Nutzlast von 500 kg, Hubhöhe: 340 m. Preis: 1 Mill. DM

World Trade Center:

Zwei Seiltrommeln, 11 t schwerer Hubwagen, Hubhöhe: 411 m. Preis: 1 Mill. DM

Fassadenliftfertigung bei HIRO LIFT in Bielefeld

Die Fassadenliftfertigung bei HIRO LIFT in Bielefeld.

 

Die Texte aus diesem Blogeintrag stammen aus dem Buch “111 Jahre Aufzugstechnik” von Martin Bockermann und Matthias Meyer.
Das Titelbild stammt aus einem Werbeprospekt Anfang der 70er Jahre

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2 Antworten zu “HIROstory: Fassadenlifte von HIRO LIFT in aller Welt”

  1. […] des Vulkans in das Innere herabfahren. Für die etwa 120 Höhenmeter benötigt der ähnlich wie ein Fassadenlift aufgebaute Aufzug etwa 6 […]

  2. Marius sagt:

    Aufschlussreicher Beitrag mit beeindruckenden Informationen und Bildern! 🙂

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