7 Handy-Apps für Handicaps

Geschrieben am 25.02.2016 von in Allgemein, Menschen + Medien, Sieben

Zugegeben, das Leben ist dank moderner Technologie nicht immer einfacher geworden. Dennoch gibt es viele Entwicklungen, auf die wir heute nicht mehr verzichten können oder wollen. Mit einem Smartphone hat man nicht nur Terminkalender, Notizblock, Telefon, Diktiergerät und Kamera in einem Gerät, sondern kann dank Internetanschluss auch auf das Wissen der Menschheit zurückgreifen. Wo liegen die Fidschi-Inseln?“ oder „wie wird das Wetter morgen?“ sind Fragen, die sich mit einem Smartphone einfach beantworten lassen. Wer sich erst einmal daran gewöhnt hat, jederzeit und an (fast) jedem Ort online gehen zu können, der wird auf diese Möglichkeiten sicherlich schnell nicht mehr verzichten wollen.

Doch nicht nur Wissenslücken in der Allgemeinbildung lassen sich mit einem Smartphone überbrücken. Auch für Senioren und Menschen mit Beeinträchtigungen können Geräte mit einem mobilen Internetzugang eine große Hilfe sein. Die Antwort auf die Frage „Wo ist die nächste rollstuhlgerechte, öffentliche Toilette?“ findet sich meist in keinem gedruckten Stadtplan und auch viele Einheimische oder Anwohner können eine solche Frage oftmals nicht beantworten. Dank Kamera, Mikrofon und GPS sowie zahlreicher anderer Sensoren lässt sich die Technik eines Smartphones oder Tablets in Kombination mit einem Internetanschluss für die unterschiedlichsten Zwecke sinnvoll nutzen:

 

Für Rollstuhlfahrer

1. Wheelmap

Unter der Internetadresse Wheelmap.org gibt es eine Weltkarte, auf der man sehen kann, welche Orte für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen barrierefrei zugänglich sind. Das Projekt setzt dabei auf die Mithilfe von engagierten Mitbürgern: Jeder kann sich an dem Projekt beteiligen und öffentlich zugängliche Orte wie Cafés, Behörden oder Geschäfte markieren.

Über die entsprechende App (für Apple und Android Geräte) kann der eigene Standort angezeigt werden und es lassen sich rollstuhlgerechte Orte in der Nähe anzeigen. Die obige Frage nach der nächsten Toilette ist mit der App also schnell beantwortet. Mehr Infos und einen Link zum Download der App gibt es auf wheelmap.org

 

Für gehörlose Menschen

Das größte Problem für viele schwerhörige oder gehörlose Menschen ist sicherlich die gesprochene Sprache. Leider gibt es derzeit noch kein Programm, das gesprochenen Text automatisch in Form von Gebärden ausgeben oder anders herum Gebärden erkennen und als gesprochene Sprache ausgeben kann. Dennoch gibt es verschiedene Apps, die in bestimmten Situationen dolmetschen können:

2. Der Dolmetscher-Dienst VerbaVoice

Was Computerprogramme nicht lösen können, muss man eben manuell machen. Das Unternehmen „VerbaVoice“ bietet Online-Dolmetschdienste in Echtzeit an. Über die App kann aufgenommene Sprache wahlweise als Text mitgelesen oder in Gebärdensprache übersetzt werden. Dazu kann man einen Dolmetscher buchen, der über die App live bei einem Gespräch oder einem Vortrag dabei ist. Das ist leider nicht kostenlos, eine Stunde Fern-Dolmetschen per App kostet zwischen 30 und 70 Euro. Wenn die Dienstleistung im Rahmen einer Ausbildung oder im Beruf benötigt wird, können diese Kosten auf Antrag beispielsweise durch die Agentur für Arbeit übernommen werden.

3. Kino-Untertitel mit Starks

Die App „Starks“ wurde für gehörlose Kino- und Filmfans entwickelt und bietet Untertitel in jedem Kino zu jeder gewünschten Vorstellung. Zudem funktioniert sie auch daheim für Filme von DVD, BluRay oder Video-on-demand. Da die Filmverleiher oder Produzenten der Kinofilme entscheiden, ob ein Film über Starks auch für Gehörlose zugänglich gemacht wird, sind leider nicht alle Filme verfügbar. Die Untertitel können vorab beispielsweise im heimischen WLAN heruntergeladen werden. Ein Internetzugang im Kino ist dann nicht mehr erforderlich. Den Filmstart erkennt die App automatisch und spielt die Untertitel dann synchron ab. Mehr Infos und den Link für iOS und Android gibt es hier.

4. Die Deutsche Gebärdensprache App

Die Deutsche Gebärdensprache (kurz: „DGS“) ist eine eigenständige Sprache mit einer eigenen Grammatik, die sich grundlegend von der gesprochenen deutschen Sprache unterscheidet. Unterstützung beim Erlernen dieser Sprache bietet die „Deutsche Gebärdensprache App“, ein interaktives Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache. Mit Hilfe der App, die für iOS und Android verfügbar ist kann man beispielsweise unterwegs schnell eine gesuchte Gebärde finden und sich als Video zeigen lassen. Dazu gibt es eine A-Z-Liste und eine schnelle Suchfunktion, zudem einige Funktionen, die beim Erlernen der Gebärden helfen. Ein erster Grundwort-/Gebärdenschatz ist in der kostenlosen App integriert, weitere Begriffe aus insgesamt neun Themenpakete können zusätzlich erworben werden.

 

Für sehbehinderte und blinde Menschen

5. Navigation mit „Blind Square“ und „Ariadne GPS“

Verschiedene Apps bieten eine gesprochene Navigation speziell für blinde Menschen. Dank GPS und dem Handysignal erkennen die Apps die Position des Benutzers und erläutern, was sich um ihn herum abspielt und wie bestimmte Orte in der Umgebung zu erreichen sind. Apps wie „BlindSquare“ und „Ariadne GPS“ (nur für iOS) oder GetThere GPS (für Android) sind Beispiele für solche Programme, die sich allerdings hinsichtlich der Bedienung und dem Funktionsumfang unterscheiden.

6. Dinge und Farben erkennen

Verschiedene Apps helfen Menschen mit Sehbehinderungen dabei, Dinge zu erkennen, die man ohne Sehvermögen nicht erkennen kann, wie beispielsweise die Beschriftung einer Konservendose oder die Farbe eines T-Shirts. „TapTapSee“ (für iOS und Android) setzt dabei auf eine technische Lösung, die das Bild der Kamera analysiert und eine sprachliche Beschreibung dieses Bildes ausgibt. „BeMyEyes“ (iOS) setzt hingegen auf das Engagement freiwilliger Menschen. Über die App kann der blinde Nutzer sich über einen Videochat mit einer sehenden Person verbinden, die ihm erklären und beschreiben kann, was sich vor der Linse seines Smartphones befindet.

Die Apps „ColorVisor“ (iOS) und „CamColor“ (Android) erkennen und beschreiben automatisch Farböne und Helligkeiten, die über die Smartphone Kamera erfasst werden. Damit kann man auch ohne Augenlicht sicher sein, dass zwei Socken die gleiche Farbe haben.

Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch die App Aiploy. Sowohl Objekte als auch Farben erkennt und beschreibt die App, die derzeit nur für Apple-Geräte verfügbar ist. Gleichzeitig lernt die Software kontinuierlich hinzu: Zukünftig soll die App in der Lage sein, komplette Szenen zu beschrieben und dabei Objekte in Relation zueinander setzen.

7. Texterkennung und Sprachausgabe

Verschiedene Apps bieten eine automatische Sprachausgabe von Texten an. „VoxDox“ (Android und iOS) beispielsweise erkennt unter anderem Texte von abfotografierten Dokumenten und funktioniert in mehreren Sprachen. Zudem lässt sich die Sprachausgabe der App anpassen, beispielsweise um die Vorlesegeschwindigkeit oder den „Sprecher“ zu ändern. Bei der Bedienung des Smartphones helfen die Apps „TalkBack“ (Android) und „VoiceOver“ (iOS), die neben einer allgemeinen Sprachausgabe beispielsweise auch die Einstellungen und App-Namen des Smartphones vorlesen.

 

 

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