Plattform-Schrägaufzug mit Rollstuhlfahrerin

HIROstory: Behinderten- und Seniorenlifte als Marktlücke

Geschrieben am 19.04.2016 von in Allgemein, Historie

Im Mai 1977 wurde das Lieferprogramm von HIRO LIFT auf Initiative von Dr.-Ing. Wilfried Hein um ein weiteres Produkt ergänzt. Mit der Produktion von Aufzugshilfen für Behinderte und Senioren betrat HIRO LIFT Neuland und konnte hier eine Marktlücke besetzten.

Dr-Hein-1Im Mai 77 kam der Rieke zu mir, war damals Montageleiter, und sagt: ‚Der Hätte hat mich angesprochen und möchte ein paar Teile von uns hergestellt haben.’ Der Hätte, 5- oder 6-Mann-Firma, der hat alles mögliche hergestellt, Hydraulikaufzüge, Senkrechtaufzüge, Kettenaufzüge und unter anderem auch Behindertenaufzüge – Stuhlanlagen, Plattformanlagen, alles was die Kunden wollten. Er hatte bloß nicht die Kapazität.

In diesen Tagen habe ich Zeitungsartikel über Behinderte gelesen, im Autoradio etwas über Behinderte gehört und auch im Fernsehen etwas hierzu gesehen. Das alles in ein, zwei Tagen und dann kam der Rieke zu mir und in 14 Tagen habe ich von dem Hätte alles übernommen. Ich dachte mir, Menschenskind, da kann man etwas draus machen. Im Grunde genommen ist das alles in zwei Tagen gelaufen.“

Interview mit Dr.-Ing. Hein, 18.3.2008

In Schwierigkeiten geriet HIRO LIFT, als Ende 1979 die Geschäftsführer der beiden Muttergesellschaften der Eldor ausschieden. Diese beiden Geschäftsführer hatten zu der Zusammenarbeit der Eldor mit der immer noch wirtschaftlich angeschlagenen HIRO LIFT gestanden. Die neuen Geschäftsführer wollten sich jedoch von dem Bielefelder Unternehmen trennen. HIRO LIFT machte zwar mit dem Verkauf von automatischen Türen und Behindertenaufzügen Gewinne, das konventionelle Aufzugsgeschäft brachte jedoch weiterhin hohe Verluste. Im September 1979 erhielten die beiden Geschäftsführer von HIRO LIFT, Fischer und Hein, den Auftrag zur Liquidation von HIRO LIFT. Durch die Überlassung der profitablen Produktion automatischer Türen an die Eldor, den Verkauf der Wartungsverträge konventioneller Aufzüge und der Überlassung der Montage-Mitarbeiter an die Thyssen Aufzug GmbH gelang es den Brüdern Hein jedoch, in Verbindung mit einem erheblichen Stellenabbau und einem Sozialplan, die Liquidation abzuwenden.

Der Neustart mit Behindertenaufügen

Am 1. August 1980 wurde die Arbeit bei HIRO LIFT mit nur 10 Mitarbeitern fortgesetzt. Der Bereich Behindertenaufzüge stand nun bei HIRO LIFT im Mittelpunkt. Die ehemaligen HIRO LIFT-Mitarbeiter, die von der Thyssen Aufzug GmbH übernommen worden waren, führten die noch bestehenden Aufträge für Aufzugsneuanlagen für die HIRO LIFT Hillenkötter + Ronsieck GmbH bis 1983 aus. Der Bereich automatische Türen ging erst Mitte 1981 endgültig an die Eldor über, die damit auch aus dem aktiven Geschäft bei HIRO LIFT ausstieg. Formell wurde der Ausstieg der Eldor aus dem aktiven Geschäft durch einen Namenswechsel der beiden Hillenkötter & Ronsieck-Gesellschaften vollzogen.

Am 9. Juli 1981 wechselten die H & R Verwaltungs-GmbH und die HIRO LIFT Hillenkötter + Ronsieck  GmbH die Namen und ihre Aufgaben. Die Eldor war von diesem Zeitpunkt an nur noch an der passiven Hillenkötter & Ronsieck Verwaltungs-GmbH beteiligt, die bis heute unter anderem für die Auszahlung der Betriebsrenten zuständig ist. Dr.-Ing. Wilfried Hein und Christian Hein waren nun alleinige Gesellschafter von HIRO LIFT – Dr.-Ing. Wilfried Hein blieb Geschäftsführer. Sein Gesellschaftsanteil betrug 51%, der seines Bruders 49%. Anfang 1987 zog sich die Eldor auch aus der Hillenkötter & Ronsieck Verwaltungs-GmbH zurück.

 

Die Texte aus diesem Blogeintrag stammen aus dem Buch “111 Jahre Aufzugstechnik” von Martin Bockermann und Matthias Meyer.
Das Titelbild zeigt einen frühen 
Rollstuhl-Schrägaufzug von HIRO LIFT mit Schnecke-Segment-Antrieb.

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