Ein Aufzug für Schiffe: Das Falkirk Wheel.

7 besondere Aufzüge

Geschrieben am 29.03.2018 von in Allgemein, Sieben, Treppenlifte + Aufzüge

Ganz egal, ob wir sie nun Aufzug, Lift oder Fahrstuhl nennen: Aufzüge sind aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Oft sind sie ein Hilfsmittel für mehr Barrierefreiheit und transportieren Personen, sie können aber zum Beispiel auch den Waren- oder Gütertransport erleichtern. Man denke nur an Lastenaufzüge in Kaufhäusern oder an den Speiseaufzug in so manchem Restaurant, ohne den das leckere Essen gar nicht erst beim hungrigen Gast ankommen würde.

Bei der Vielzahl an installierten Aufzugsanlagen weltweit – allein in Deutschland waren im Jahre 2015 laut statista.de rund 620.000 Aufzüge verbaut – gibt es natürlich auch den einen oder anderen, der sich gut in einem „Kuriositätenkabinett der Aufzugswelt“ machen würde. Sieben Kandidaten stellen wir in diesem Blogbeitrag vor. Diese Aufzüge haben alle eines gemeinsam: Sie sind besonders, und das im allerpositivsten Sinne.

 

1.) Ein Aufzug, der um die Ecke fährt

Meist denken wir bei dem Begriff Aufzug an eine Kabine, die sich in einem Schacht ausschließlich auf- und abwärts bewegt. Der optisch an ein Tor erinnernde „Peoplemover“ der deutschen Maschinenbaufirma Schmid ist hier eine ebenso interessante wie ungewöhnliche Ausnahme. Dieser „Um die Ecke“-Aufzug bewegt sich während der Fahrt nämlich nicht nur nach unten und oben sondern auch seitwärts von einem vertikalen Aufzugsschacht zum anderen. Entworfen wurde er, um Hindernisse wie beispielsweise Eisenbahnschienen oder mehrspurige Straßen mit einer einzigen Aufzugsfahrt zu überbrücken, ohne kostspielige und unter Umständen nicht barrierefreie Fußgängerbrücken oder Unterführungen bauen zu müssen.

Wirklich durchgesetzt hat sich das interessante Aufzugskonzept jedoch nicht: In Deutschland stehen lediglich drei dieser besonderen Anlagen, unter anderem diese Anlage am S-Bahnhof „Betriebsbahnhof Rummelsburg“ in Berlin:

 

2.) Der kleinste Personenaufzug Europas

Wenn man wie HIRO LIFT mehr als 100 Jahre Erfahrung in verschiedenen Bereichen des Aufzugsbaus mitbringt, dann springt irgendwann fast zwangsläufig eine kleine Aufzugskuriosität dabei heraus. Und das Wort „klein“ ist hier komplett wörtlich gemeint: In einem Privathaus in Dänemark befindet sich nämlich der kleinste Personenaufzug Europas, eine Sonderanfertigung vom Typ HIRO 700.

Dieser kann lediglich eine Person transportieren, denn seine Kabine besitzt ein Innenmaß von gerade einmal 61 x 69 Zentimetern (0,4 m²). Wer sich zum Vergleich kurz vor Augen führt, dass ein handelsüblicher Wasser- oder Bierkasten in Deutschland eine Grundfläche von 40 x 30 cm hat, der verspürt wohl schon beim Lesen einen Anflug von Klaustrophobie. Da der Aufzug in einem Privathaus eingebaut ist, können wir leider keine Fotos des Aufzugs zeigen sondern nur die originale Konstruktionszeichnung. Weitere Informationen zu der Anlage finden Sie in diesem Blogbeitrag.

Konstruktionszeichnung vom kleinsten Personenaufzug Europas

3.) Der schnellste Personenaufzug der Welt

Frei nach dem olympischen Motto „Schneller, höher, stärker“ sind in den vergangenen Jahrzehnten immer schnellere Personenaufzüge entstanden. Die steigende Fahrgeschwindigkeit liegt aber nicht nur in der sich stetig verbessernden Technik begründet. So machen immer höhere Gebäude in den Metropolen dieser Welt höhere Liftgeschwindigkeiten schlicht und ergreifend erforderlich, damit die Besucherströme schneller ihr Ziel innerhalb des Gebäudes erreichen können.

Der derzeit schnellste Personenaufzug der Welt befindet sich im Shanghai Tower in China, dem mit einer Höhe von 632 Metern zweithöchsten Gebäude der Welt. Dieser Aufzug von Mitsubishi Electric befördert Personen mit einer irrwitzigen Maximalgeschwindigkeit von 20,5 Metern pro Sekunde (73,8 km/h) bis in den 118. Stock des Gebäudes. Und hier hören die Superlative noch nicht auf: Dort oben eröffnet sich, nach gerade einmal 55 Sekunden Aufzugsfahrt, die höchste begehbare Aussichtsplattform der Welt auf 561 Metern. Höhenangst sollte man hier also definitiv nicht haben.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt für alle Geschwindigkeitsjunkies: Seine Maximalgeschwindigkeit von 20,5 m/s erreicht der Aufzug ausschließlich in einer speziell darauf abgestimmten Aufzugskabine mit einem Techniker des Aufzugherstellers an Bord. Im normalen Alltagsbetrieb ist die Maximalgeschwindigkeit des Aufzugs auf immer noch stattliche 18 m/s begrenzt (64,9 km/h). Wie so eine Fahrt aussieht, das zeigt das folgende Video:

 

4.) Ein Aufzug, der zwei Landstriche miteinander verbindet

Lift auf Helgoland im 19 Jh. - Bildlizenz: Public Domain

Die nur einen Quadratkilometer große deutsche Insel Helgoland ist, salopp formuliert, eine „Insel mit mehreren Etagen“. Sie ist geografisch unter anderem in das auf Meereshöhe liegende „Unterland“ und das höher liegende „Oberland“ aufgeteilt, dessen höchste Erhebung 61,3 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Diese beiden Landstriche werden nicht nur durch eine Treppe mit 184 Stufen miteinander verbunden, sondern seit 1885 auch durch den „Aufzug zum Oberland“. Während der Aufzug im 19. Jahrhundert freistehend war (siehe Bild), ist er heute sehr viel unauffälliger in die Bebauung eingelassen.

Neben der Tatsache, dass der Aufzug zwei geografisch getrennte Landstriche miteinander verbindet, zeichnet ihn eine weitere Besonderheit aus: Da für die Nutzung des Lifts ein geringes Beförderungsentgelt entrichtet werden muss, kann der Aufzug auch als Verkehrsmittel des ÖPNV gesehen werden (wie z.B. auch Europas höchster Freiluft-Aufzug, der Hammetschwand-Lift in der Schweiz).

 

5.) Der Ein-Mann-Aufzug zum „Selbstmitbringen“

Wir befinden uns in einer Zeit, in der erneuerbare Energien wie zum Beispiel die Windenergie einen immer wichtigeren Stellenwert bekommen: Doch jede Windkraftanlage muss natürlich von Zeit zu Zeit gewartet werden. Hierfür ist oftmals ein Aufstieg des Mechanikers bis in den „Kopf“ der Anlage, die sogenannte Gondel, erforderlich. War das bei kleinen Anlagen früher noch problemlos per Steigleiter möglich, so ist bei heutigen großen Anlagen ein Aufstieg ohne einen Wartungsaufzug im Anlageninneren nicht mehr vorstellbar. Schließlich reden wir hier von Gondelhöhen, die zum Teil jenseits der 150 m-Marke liegen.

Eine schweizerische Firma namens HighStep Systems hat daher die Idee eines möglichst flexiblen Wartungsaufzugs für solche hohen Bauwerke auf die Spitze getrieben. Das System besteht aus zwei Komponenten: einer bauseits zu montierenden, fest installierten Fahrschiene und einem tragbaren Liftsystem, welches mit angesteckten Transportrollen optisch an einen Segway erinnert. Diese mobile Ein Mann-Plattform wird vor Ort in die Fahrschiene eingesetzt, gesichert und befördert ihren Nutzer anschließend mit Hilfe von vier akkubetriebenen Elektromotoren die Fahrschiene hinauf. Der Clou: Da der Lift selbst tragbar ist, kann man ihn nach dem Auf- und Abstieg einfach zum nächsten Einsatzort mitnehmen und dort erneut einsetzen. Eine bauseitige Montage der Fahrschiene vorausgesetzt, kann eine Liftplattform so für mehrere Bauwerke genutzt werden.

Das folgende Video zeigt den Lift im Einsatz an einem Hochspannungsmast:

 

6.) Ein „Riesenrad“-Aufzug für Schiffe

Zugegeben: Seit dem mobilen Wartungsaufzug für Windräder und Strommasten bewegen wir uns mit großen Schritten vom klassischen Personenaufzug weg. Aber auch ein Schiffshebewerk wie unser besonderer Aufzug Nr. 6, das Falkirk Wheel, lässt sich als eine Art Senkrechtlift sehen, bei dem die Transporttröge für Schiffe die Funktion einer Aufzugskabine erfüllen.

Das 1998 erbaute Falkirk Wheel steht, der Name verrät es schon, nahe der schottischen Stadt Falkirk. Es ermöglicht den Transfer von Schiffen zwischen dem Forth and Clyde Canal und dem 24 Meter höher gelegenen Union Canal, welcher bis nach Edinburgh führt. Weltweit einzigartig ist das Hebewerk durch seine Konstruktion in der Art eines Riesenrades: Zwei wassergefüllte Gondeln zum Schiffstransport liegen sich genau gegenüber und balancieren sich so gegenseitig aus. Dadurch kann eine horizontale Halbdrehung des Rades mittels der verbauten Hydraulikmotoren mit einem geringen Energieaufwand von gerade einmal 1,5 Kilowattstunden realisiert werden (dies entspricht dem Energieverbrauch beim Backen eines Kuchens oder während anderthalb Waschmaschinendurchläufen). In nur vier Minuten werden so gleichzeitig ein Schiff aufwärts und ein Schiff abwärts befördert.

Das nachfolgende Video zeigt diesen Vorgang im Zeitraffer:

Das Titelbild dieses Beitrags zeigt das Falkirk Wheel in seiner Startposition, in welcher Schiffe im oberen und unteren Transporttrog ein- und ausfahren können.

 

7.) Ein Lift für Fische

Für den sicherlich kuriosesten Lift in dieser Liste bleiben wir in Wassernähe. Und ja, Sie haben richtig gelesen: Hier handelt es sich tatsächlich um einen Lift, der Fische transportiert.

Wofür so ein Lift gebraucht wird, das lässt sich mit der Wanderbewegung von Fischen erklären. Diese schwimmen zum Laichen, zur Nahrungssuche oder zum Überwintern den Fluss hinauf oder hinab, was jedoch in vielen Flüssen durch Wehre oder Kraftwerke erschwert wird. An manchen solcher menschengemachten Hindernisse gibt es daher sogenannte Fischtreppen, über die die Fische die Hindernisse umschwimmen können. Diese Bauwerke benötigen jedoch sehr viel Platz und eignen sich eher für die Überwindung geringer Höhenunterschiede. Sind größere Höhen zu überwinden oder ist nur wenig Raum für bauliche Veränderungen vorhanden, können deshalb Fischlifte wie zum Beispiel der „Hydro-Fischlift“ zum Einsatz kommen.

Bei dieser Erfindung wird die Tatsache ausgenutzt, dass die flussaufwärts oder flussabwärts schwimmenden Fische zur Orientierung Strömungen folgen. Mittels einer leichten „Lockströmung“ werden sie in den mit Wasser gefüllten Fahrkorb des Lifts gelotst. In regelmäßigen Abständen schließt sich nun das Tor des Fahrkorbs und dieser wird durch eine Veränderung des Wasserpegels im Aufzugsschacht nach oben oder unten transportiert. Am Ende der Fahrt öffnet sich der Fahrkorb wieder und die Fische können hinter dem Hindernis ungehindert weiterschwimmen. Weitere Informationen zur Funktionsweise des Lifts gibt es im nachfolgenden Video.

Die Pilotanlage des Hydro-Fischlifts befindet sich übrigens an einem Stauwehr in der Nähe der Stadt Wangen im Allgäu. Noch in diesem Jahr soll in NRW eine weitere Anlage in Betrieb gehen, nämlich an einem Stauwehr am Essener Baldeneysee.

 

Bildrechte: Sowohl das Titelbild dieses Beitrags als auch das Bild des Helgoland-Aufzugs sind in der Public Domain gelistet und daher frei verwendbar (Lizenz: CC0 Public Domain).

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