Ein Nachruf auf Dr. Hein

Ein Nachruf auf Dr. Hein

Am 13. April verstarb im Alter von nur 75 Jahren unser geschäftsführender Gesellschafter Dr.-Ing. Wilfried Hein, der die Geschicke von HIRO LIFT 38 Jahre lang in entscheidender Weise geprägt und mit großem Erfolg gelenkt hat. Wir haben von Freunden im Unternehmen und bei Geschäftspartnern einige Anekdoten gesammelt, um sein Andenken zu wahren:

Doktor auf dem 2. Bildungsweg

Dr. Hein
Dr.-Ing. Wilfried Hein

Doktor Hein hatte sein Fachschulstudium als Ingenieur in Berlin erfolgreich abgeschlossen und dann sein Studium an der Technischen Universität Berlin auf dem 2. Bildungsweg sehr erfolgreich durchgeführt.

Danach war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an meinem Lehrstuhl und Institut für Mechanische Schwingungslehre und Maschinendyamik. Er hat den Studenten bei ihrer Ausbildung geholfen, aber von den Studenten auch fachliche Leistungen gefordert, die sie ihm sehr gerne lieferten.

Herr Dr. Hein hat auch bei einigen meiner Industrieaufträgen äußerst engagiert mitgearbeitet und schließlich sein Forschungsvorhaben mit der Promotion zum Dr.-Ing. sehr erfolgreich abgeschlossen. Bei der Zusammenarbeit mit ihm zeigte sich, wie er sich aufgrund seiner zunächst praktischen Ausbildung auch für wissenschaftliche Themen anwendungsorientiert und zielstrebig begeistern konnte.

Sehr gerne denke ich an die Stunden zurück, die wir zusammen im Freundeskreis anlässlich meines 75. Geburtstages verbracht haben. Wir haben persönliche Erinnerungen ausgetauscht, viel gelacht und kantig gescherzt – das lag unserem Wilfried besonders.

Prof. Dr.-Ing. W. Stühler (TU Berlin, Doktorvater von Herrn Hein)

 

Ein wahrer Gentleman

Meine Firma Kalea hat vor einiger Zeit ebenso wie HIRO LIFT Aufzüge an einen ausländischen Händler geliefert. Das Unternehmen wurde von einem netten Kerl geführt, doch anfangs lief es nicht besonders gut. Bei der Installation der Anlagen traten häufiger Fehler auf, die uns Ausfälle bescherten und die Kosten in die Höhe trieben. Bei einem Besuch bei Dr. Hein in Bielefeld sprach ich zufällig an, dass wir technische Probleme mit Händlern hätten, die unsere Anlagen nicht richtig montierten.

Mein Fachgebiet und Aufgabenbereich ist das Marketing und Business Development. Ich selber bin kein Experte in technischen Angelegenheiten. Ich wusste, dass Dr. Hein auch Probleme mit dem gleichen Händler hatte und sagte ihm, dass dieser sich mit der Technik nicht allzu gut auskennt.

“Das mag sein”, antwortete Dr. Hein, “aber er kennt sich damit doppelt so gut aus wie Sie”. Damit hatte er natürlich Recht. Und ich verstand, dass Herr Hein der Regel folgte, niemals schlecht hinter dem Rücken von jemand anderes zu sprechen. Er war eine ehrliche Haut und seine Integrität machte ihn zu einem wahren Gentleman. Er wird für immer unseren Respekt genießen.

Dan Knape, Kalea Lifts AB, Schweden

 

Stets hilfsbereit

Fußballschuhe für Afrika

Als meine Nichte in einem Waisenhaus in Südafrika gearbeitet hat und erzählte, dass die Kinder dort keine Unterwäsche haben und der absolute Traum jedes afrikanischen Jungen ein Paar Fußballschuhe seien, hat sich dank vieler lieber Kollegen die Zentrale von HIRO LIFT kurzfristig in ein Lager für Kindersachen und Fußballschuhe verwandelt. Herr Dr. Hein hat nicht gemeckert und die Aktion auch selber unterstützt! Allerdings nicht mit Fußballschuhen 😉

Ein Bulli voller praktischer Dinge für die Menschen in den Notunterkünften.

Bei dem Hochwasser 2013 war die Situation ähnlich. Eigentlich wollten wir nur mit meinem Passat etwas Futter für notleidende Tiere in die Hochwassergebiete bringen. Dank einer wahnsinnigen Mundpropaganda wurden es 4,5 Tonnen Hilfsgüter für Mensch und Tier. Herr Dr. Hein hat auch hier wieder über das gewaltige Chaos in seiner Zentrale hinweg gesehen und neben anderer Unterstützung die HIRO Firmenfahrzeuge samt Benzin zur Verfügung gestellt.

Ulrike Kruphölter, HIRO LIFT 

 

HIRO LIFT in Norwegen

In Erinnerung an einen guten Freund und einen überaus liebenswürdigen und klugen Mann, Dr. Wilfried Hein.

Aashild, Bjørn und ich haben unsere Firma Access AS im Jahr 1982 gegründet. Wir haben zusammen mit einem anderen Unternehmen Aufzüge montiert und sahen eine gute Perspektive für Treppenlifte und spezielle Aufzüge für behinderte Menschen.

Bjørn und Aashild von Access AS auf der Fähre nach Kiel

Ich hatte zuvor Dr. Hein bei einer Ausstellung getroffen und das besondere Antriebssystem seiner Plattformaufzüge bemerkt. Sie konnten an allen Arten von Treppen in Schulen usw. installiert werden. Ich nahm gleich Kontakt mit Dr. Hein auf und fuhr nach Bielefeld, um Wilfried zu treffen und ihn zu fragen, ob wir nicht Händler für HIRO LIFT in Norwegen werden könnten.

Das war 1982. Wir waren zwei „junge“ Ingenieure und das Treffen in Bielefeld war sehr nett. Im Anschluss schrieb er uns einen kurzen Brief, dass Access von nun an die Alleinvertretung für HIRO in Norwegen ist!

Wilfried Hein und Brian Stannah bei Access AS 1990.

In Norwegen sollten derzeit alle Schulen für behinderte Schüler zugänglich gemacht werden. Kurz nach dem Start unseres Unternehmens bekamen wir den Auftrag für 16 Schulen in Oslo. Einige der Anlagen gingen über vier Etagen. Dies war eine sehr gute Referenz für uns.

Wilfried war ein sehr kluger Ingenieur. Als wir und die Norwegische Handicap Organisation sahen, dass es ein Problem für manche Rollstuhlfahrer bei der Bedienung der Anlagen gab, entwickelte er die erste vollautomatische Plattform-Lösung. Damit konnten die Schüler den Lift ganz alleine bedienen. Die Aufzüge von HIRO LIFT waren die ersten, die das ermöglichten.

Inzwischen haben wir mit Access mehr als 2.000 HIRO Lifte in Norwegen ausgeliefert und soweit ich weiß sind wir damit der größte Händler für HIRO in Europa. Woran wir uns in der Beziehung mit Dr. Wilfried Hein am meisten erinnern ist

  • seine clevere Art als Ingenieur. Er hat sich wirklich kluge Lösungen bei der technischen Entwicklung seiner Anlagen ausgedacht.
  • seine Gastfreundschaft, wenn wir HIRO in Bielefeld besuchten. Wir haben uns jedes Mal sehr auf die Reise nach Bielefeld und ein Treffen mit Wilfried gefreut.
  • dass er und HIRO LIFT einen großen Teil zu unserem Erfolg mit HIRO Aufzügen in Norwegen beigetragen haben.

In Gedenken an Dr. Ing. Wilfried Hein, den wir so sehr vermissen.

Dagfinn, Bjørn, Aashild und alle Mitarbeiter von Access AS, Norwegen

Anbei ein Bild von Bjørn und Aashild auf der Fähre von Oslo nach Kiel auf dem Weg zu HIRO LIFT nach Bielefeld etwa 1985 (oben). Dazu noch ein Bild von den beiden „großen Männern im Handicap-Hebegeschäft“: Wilfried Hein und Brian Stannah bei der Eröffnung unseres neuen Büros im Jahr 1990.

 

Aufzugstest nach dem „potato protocol“

Seit fast 25 Jahren war Dr. Wilfried Hein ein großer Freund und Mentor für mich, zudem ein wirklich ehrenhafter Geschäftspartner.
Ich möchte eine Geschichte erzählen, die sich über mehrere Jahre entwickelt hat und die zeigt, was für ein großartiger Mensch Dr. Hein war: Sie zeigt seine legendäre Gastfreundschaft, seine Großzügigkeit, seinen Intellekt und für mich am wichtigsten: sein Sinn für Humor.

Aufzug HIRO 500 in Bielefeld

Im Jahr 1999 hatte meine Firma einen wichtigen Vertrag über 5 gläserne Aufzüge unterzeichnet, die in einen 100 Jahre alten Holz-Pier bei Walsh Bay am Hafen von Sydney installiert werden sollten. Die einzigen Aufzüge, die die schwierigen Bedingungen und Spezifikationen vor Ort erfüllen konnten, waren HIRO 500 Aufzüge mit dem Traktionsantrieb, der gerade erst von Dr. Hein und seinem Team entwickelt worden war.

Die Forderung der lokalen Regierungsbehörde Workcover NSW war es, dass wir die Fangvorrichtung des Glasaufzugs mit der angegebenen Tragfähigkeit von 1000 kg testen sollten. Zwei Mal sollte nach dem Einbau des Aufzugs vor Ort die Kabine mit Gewichten beladen werden, um dann die Fangvorrichtung auszulösen, ohne dass eine Deformierung oder Beschädigung zu erkennen war.
Ich wollte das Risiko nicht eingehen, neu installierte Glaslifte in Australien zu testen und fragte deshalb den Chefingenieur der Workcover, Herrn Bruce Gill, ob er nicht mit mir nach Deutschland reisen wollte, um sich dort mit Dr. Hein zu treffen. Wir könnten die Sicherheitsfunktionen der Anlagen dann direkt im HIRO Werk nach den australischen Standards testen. Ich wusste, dass Dr. Hein und Herr Gill, beides sehr intelligente und gesellige Menschen, gut miteinander auskommen würden und so arrangierten wir den Besuch von Herrn Gill in Deutschland.

Während meiner Korrespondenz mit Dr. Hein, die immer mit der Hand geschrieben per Fax übermittelt wurde, denn er hasste E-Mails und löschte sie gelegentlich, ohne sie zu lesen, fragte der Doktor mich, ob Herr Gill käme, um die Anlagen nach dem „potato protocol“ zu testen.
Ich verstand erst nicht, was er damit meinte, doch dann erinnerte ich mich an eine Geschichte, die Dr. Hein mir vor vielen Jahren über einige Inspektoren erzählt hatte, die ebenfalls nach Bielefeld gekommen waren, um das HIRO Werk und die Produkte zu besichtigen, bevor sie sie für ihr Projekt akzeptierten. Als die Inspektoren um 8 Uhr morgens im Büro des Doktors saßen gab es zunächst ein kurzes Gespräch, bis einer von ihnen aufstand und das Büro verließ. Kurze Zeit später kam er mit einer Flasche Kartoffelschnaps zurück. Die Inspektoren verbrachten vier Tage beim Doktor und gingen währenddessen nicht ein einziges Mal in den Betrieb, um die Anlage zu testen.
Ich musste laut lachen, als ich dem Doktor antwortete und ihm bestätigte, dass Herr Gill sicherlich gerne das „potato protocol“ einhält, es sich aber auch nicht nehmen lassen wird, den Betrieb zu besichtigen und die Anlage zu testen.

Leider konnte Herr Gill aus anderen Gründen dann doch nicht nach Deutschland reisen und es gab eine Vereinbarung zwischen der Workcover NSW und dem TÜV Hannover, die die Anlagen erfolgreich bei HIRO LIFT testeten. Ein paar Jahre später reisten Herr Gill und seine Frau privat nach Deutschland und Dr. Hein nahm eine 8-stündige Autofahrt auf sich, um sie abzuholen. Er zeigte ihnen Bielefeld und fuhr mit ihnen auch nach Hannover zu seinem Bruder Christian.

Auch wenn ich nach der langen Reise von Australien manchmal schon morgens um 6:30 Uhr in Frankfurt landete, stand der Doktor immer persönlich auf der anderen Seite des Zoll-Tors und wartete auf mich. Er nahm stets die lange Autofahrt auf sich, um mich abzuholen und auch zurückzubringen – und ich kam jahrelang nach Deutschland, manchmal sogar zweimal im Jahr. Erst nach 12 Jahren konnte ich ihn davon überzeugen, dass es einfacher und genauso bequem für mich war, mit dem Zug von Frankfurt nach Bielefeld anzureisen.

Herr Gill und seine Frau verbrachten auf ihrer Reise einige Tage mit Dr. Hein und seinem Bruder Christian. Später berichtete er mir, dass es eine wundervolle Zeit war, in der die beiden Hein Brüder sie mit ihrer Gastfreundschaft nahezu erschlugen.

Ich erinnere mich an sehr viele schöne Stunden mit dem Doktor, in denen wir zusammensaßen und über das Aufzugsgeschäft fachsimpelten oder einfach nur über das Leben im Allgemeinen sprachen. Er war ein wunderbarer Mensch und ich werde ihn sehr vermissen.

Mark Smith, Multilift Commercial Pty Ltd, Australien

 

Geprägt von Menschlichkeit und Respekt

Die zahlreichen Grundsatz- und Jahresgespräche zwischen HIRO und HEINZE waren meist geprägt durch eine lebendige und emotionale Debatte. Manchmal, wenn die Diskussion zu hitzig wurde und drohte, die sachliche Ebene zu verlassen, griff der Dr. immer ein: “So – ist jetzt gut. Wir machen das jetzt so und lasst uns nun lieber ein Bier trinken!“

Gerne erinnere ich mich an den Doktor, zeigte er in solchen Fällen doch immer sein Gespür, dass trotz aller Härte in der Sache die Menschlichkeit und der gegenseitige Respekt nicht verloren gehen darf.

Markus Rettkowski, Heinze

 

Ausgezeichneter Gastgeber

Unsere Zusammenarbeit mit Dr. Hein war immer äußerst angenehm und wir von Orona haben ihn sowohl als Geschäftspartner, als auch als Person sehr zu schätzen gewusst. Als wir ihn auf der Interlift 2011 in Augsburg trafen, erkannten wir die Chance, die sich für beide Unternehmen auftat, wenn wir eine erfolgreiche Zusammenarbeit erreichen würden – und wir hatten Recht.

An diesem Tag konnte Dr. Hein – nach wiederholtem Loben und Preisen – gar nicht genug von den Keksen bekommen, die wir unseren Besuchern anboten und er erwiderte diese Kleinigkeit mit der Einladung zur jährlichen Weihnachtsfeier bei HIRO in Bielefeld. Es war immer wieder eine Freude, an diesen Festivitäten teilzunehmen, und man konnte sehen, wie viel es ihm bedeutete, dass wir uns die Zeit nahmen, um zu dieser Feier zu kommen. Er war jedes Mal ein ausgezeichneter Gastgeber, der sich für jeden einzelnen von uns Zeit nahm und sicherstellte, dass es keinem an etwas fehlte.

Dr. Hein war kurz gesagt eine großartige und inspirierende Person, die wir aufrichtig vermissen werden.

David Egea, Orona S. Coop., Spanien

 

Keine Rede von Rente

Erzählungen von HIRO-Mitarbeitern

An seine Vorliebe für Festivitäten erinnern sich auch die Mitarbeiter der Firma HIRO LIFT gerne: „In einem Jahr hatte der Doktor zur Weihnachtsfeier eingeladen. Von den belegten Brötchen, die im Laufe des Tages geliefert wurden, waren allerdings nur noch drei da. Alle anderen hatte Dr. Hein nach und nach schon selber bei der Arbeit aufgegessen. Als wir dann in kleinem Kreise zusammen saßen, hatten natürlich alle Hunger, aber keiner traute sich, eines der drei Brötchen anzurühren. Als meine Frau hereinkam, bat er sie gleich, doch noch mehr Brötchen zu besorgen“, erinnert sich Hans-Hermann Ebmeyer.
Die Gastfreundschaft war ihm sehr wichtig und nicht nur bei Festlichkeiten sollte es an nichts mangeln. Wer bei HIRO LIFT seine Arbeit machte, dem versicherte Dr. Hein, dass er bis zur Rente bei HIRO LIFT bleiben könne. Ansonsten war der Doktor aber ein sehr sparsamer Mensch: „Früher fuhr er immer die gebrauchten Wagen seines Bruders Christian weiter. Das waren meist sportliche Autos wie ein BMW 635CSi“, so Ebmeyer. Erst vor wenigen Jahren ließ er sich von Herrn Räker dazu überreden, sich auch mal einen neuen Firmenwagen zuzulegen.

Dr. Hein mochte es, wenn es schnell ging. Als er nach einem Sturz für einige Wochen gesundheitliche Probleme hatte, kam eine Auszeit nicht in Frage. Sobald wie möglich war er wieder in der Firma und fuhr dann im Elektromobil durch den Betrieb. Auch da ging es sportlich zu. Bei seinem Mobil gab es zwei Geschwindigkeitsstufen: „Schildkröte“ und „Hase“. Herr Dr. Hein fuhr immer im „Hasenmodus“, berichtet Daniela Beiche. Auf dem Firmenglände und im Betrieb war das eigentlich kein Problem, eng wurde es allerdings hin und wieder im Verwaltungsgebäude. Zum Glück gab es aber keine nennenswerten Unfälle und sobald Herr Dr. Hein wieder auf den Beinen war, war das Elektromobil auch schnell wieder verschwunden.

„Eigentlich wollte er sich mit 65 in der Schweiz zur Ruhe setzten und dann all das tun, wozu er als Geschäftsführer keine Zeit hatte: Die Landschaft genießen, lesen und spazieren gehen“, erinnert sich seine Sekretärin Frau Stoye. „Das sagte er zumindest, als er 40 war. Doch als es dann soweit war, war davon keine Rede mehr. Eigentlich wollte er auch nie spazieren gehen, golfen oder Gartenarbeit machen. HIRO LIFT, das war sein Leben“.

 

Wir möchten uns vielmals für die Anteilnahme und die unzähligen Mails und Briefe bedanken. Gerne sammeln wir weiter Geschichten über Doktor Hein, die wir hier ergänzen, um sein Andenken zu wahren.

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