Pannen-Einmaleins für Menschen mit Behinderung

Pannen-Einmaleins für Menschen mit Behinderung

Barrierefreiheit ist nicht nur wichtig für das Wohnen, sondern auch für den Straßenverkehr. In Deutschland sind mehr als eine Million Autofahrer mit Behinderung unterwegs. Viele dieser Reisenden nutzen speziell umgerüstete Fahrzeuge, um am Straßenverkehr teilzunehmen. Kommt es da zu einer Auto-Panne, hat das für Menschen mit Behinderungen viel drastischere Folgen als für Menschen ohne Behinderungen. Wenn bei einem Unfall die Umrüstung beschädigt wird, steht man wortwörtlich auf der Stelle.

Ein einfaches Abschleppen zur nächstgelegenen Werkstatt reicht dann nicht aus. Das Fahrzeug muss in eine Spezialwerkstatt gebracht werden – und die wachsen nun mal nicht auf Bäumen. Ist der Fahrzeugtransport geregelt, steht das nächste Problem an: Was ist mit den Insassen? Für gehandicapte Fahrer oder Beifahrer kommt in den meisten Fällen nur ein behindertengerechter Transport in Frage. Und das alles ist vor allem mit einem verbunden: Sehr hohen Kosten! Gut, das es in solchen Fällen auch für Menschen mit Behinderung Retter in der Not gibt.

Barrierefreiheit unterwegs dank Automobilclubs

Automobilclubs wie der ADAC oder der BAVC bieten für Menschen mit Behinderungen zusätzliche Leistungen. So wird zum Beispiel der Fahrzeugtransport in eine Spezialwerkstatt subventioniert oder für den behindertengerechten Transport der Fahrzeuginsassen gesorgt. Es muss aber nicht zwingend erst eine Panne sein, damit der ADAC oder der BAVC einem Menschen mit Behinderung weiterhilft. Auch Beratungsleistungen gehören zu ihren Angeboten. Der behindertengerechte Fahrzeugumbau, die richtige Sicherung des Rollstuhls im PKW und viele weitere Fragen können von den Experten der Automobilclubs beantwortet werden.

Was jedoch den behindertengerechten Umbau an sich angeht, so sollte sich jeder im Vorfeld gründlich über die Auswirkungen informieren. Oft können solche Umbauten nicht bei den Automobilherstellern selber durchgeführt werden, sondern nur bei Spezialwerkstätten. Das nutzen viele Automobilhersteller aus, um Garantieleistungen wie Reparaturen zu verweigern. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man sich vor dem Kauf des Fahrzeugs schriftlich garantieren lassen, dass die Garantie durch den Umbau nicht erlischt.

Auto oder Rollstuhl: Pannen gibt es überall

Neben einer Auto-Panne kann auch eine Rollstuhl-Panne sehr ärgerlich sein. Technische Probleme oder ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit können schnell dafür sorgen, dass der Rollstuhl feststeckt. Die erste Adresse ist dann der Notruf. Die Polizei und Feuerwehr sind dafür zuständig, Menschen in akuten Notlagen zu helfen, weswegen bei einem Einsatz wegen einer Rollstuhlpanne keine Rechnung gestellt werden kann.

Es gibt jedoch weitere Möglichkeiten bei Rollstuhl-Pannen. Eine davon sind auch hier die Gelben Engel. Bei Reifenpannen, leeren Batterien oder Problemen mit der Elektrik ist auf den ADAC Verlass. Jedenfalls so lange die entsprechenden Werkzeuge und Mittel an Bord des Pannehilfefahrzeuges sind. Am besten die Situation im Vorhinein beschreiben, damit die ADAC-Zentrale ein entsprechendes Fahrzeug schicken kann. Es gibt aber auch Städte und Landkreise in Deutschland, die ihre ganz eigenen Rollstuhl-Pannendienste haben. Berlin zum Beispiel verfügt über einen privaten 24-Stunden-Rollstuhlpannendienst.

Gerd-Olaf Hesse betreibt diesen seit 10 Jahren und ist an manchen Tagen 17 Stunden täglich unterwegs, um Rollstuhlfahrern in Not zu helfen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine gebrochene Achse, einen defekten Motor oder einen platten Reifen handelt – die Hilfe ist garantiert. Und das Gute ist: die Kosten des Einsatzes werden von der Krankenkasse übernommen. Einen weiteren Rollstuhl-Pannendienst betreibt das Deutsche Rote Kreuz im Kreis Recklinghausen. Für einen geringen Jahresbeitrag lässt sich ein Schutzbrief erwerben, mit dem man im Notfall diesen speziellen Dienst des DRK in Anspruch nehmen kann. Leider gilt dieser Dienst nur für den Kreis Recklinghausen.

Service für Menschen mit Sprachschädigung

Notrufsäule
Quelle: Rike / pixelio.de

Was ist jedoch, wenn das Problem gar nicht daraus besteht, einen passenden Retter in der Not zu finden, sondern sich überhaupt mit ihm verständigen zu können? Diese Art von Problem haben zum Beispiel Gehörlose, Hörgeschädigte oder sprachbehinderte Menschen. Und wieder grüßen hier die Gelben Engel. Der ADAC hat eine speziellen Pannehilfenotruf per SMS eingerichtet, um auch Menschen mit solchen Behinderungen helfen zu können. Eine simple SMS genügt und die Hilfe ist unterwegs. Einen identischen Pannen-Service bietet auch der Automobilhersteller Volkswagen im Rahmen seiner Mobilitätsgarantie für seine Kunden an. Bei der Planung hat VW eng mit dem Deutschen Gehörlosen-Bund zusammengearbeitet.

Generell ist es ein kluger Schachzug sich lokal zu informieren. Oft sind zum Beispiel auch lokale Behindertenfahrdienste in der Lage, zumindest den Abtransport bei einer Panne zu organisieren. Viele Städte haben außerdem eine/n Behindertenbeauftragte/n, der für solche Fragen zuständig ist und weiterhelfen kann. Das Wichtigste ist jedoch die Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu geraten. Selbst wenn kein Telefon in der Nähe ist oder man selbst keinen Ausweg sieht. Manchmal müssen es nicht die Gelben Engel, die Polizei oder Feuerwehr sein, um zum richtigen Zeitpunkt Hilfe leisten zu können. Man sollte keine Angst davor haben seine Mitmenschen um Hilfe zu bitten, denn Hilfe braucht jeder Menschen irgendwann einmal in seinem Leben.

Quelle Bild „Pannenhilfe“: Guenter Hamich  / pixelio.de

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