Sicherheit für’s Bike mit Apps und Gadgets

Sicherheit für’s Bike mit Apps und Gadgets

Heute ist Frühlingsanfang, also die richtige Zeit um das Fahrrad wieder auf Vordermann zu bringen. Wenn man schon dabei ist, kann man gleich über eine Modernisierung nachdenken. Früher war ein Tachometer am Rad schon ein wahres Highlight, heute kann das Fahrrad mit Bildschirmen, Blinkern und Smartphone-Ladegeräten ausgestattet werden. „Pimp my Ride“, quasi. Doch sind die Gadgets nicht immer nur Spielerei – manche bringen auch ein großes Plus an Sicherheit: 

Das „intelligente fiets“

Speziell für Senioren lässt beispielsweise das niederländische Forschungsministerium ein Fahrrad entwickeln, das die Sicherheitstechnik aus dem Automobilbereich auf das Fahrrad überträgt. Spezielle Sensoren und Kameras überwachen das Geschehen rund um das Fahrrad und warnen den Fahrer vor drohenden Gefahrensituationen. Das „intelligente fiets“, wie die Niederländer das Rad getauft haben, soll in etwa zwei Jahren auf den Markt kommen. Ein Prototyp kann man derzeit schon auf YouTube bewundern.

Fahrrad-Blinker: Nicht immer erlaubt

Auch in England hat man sich Gedanken über die Sicherheit beim Radfahren gemacht. Das Start-up-Unternehmen “Cycl” entwickelt Blinker für den Fahrradlenker. Befestigt werden diese per Magnet oder Schraubverschluss. Auswechselbare Batterien liefern den Strom für die Leuchten. Die Kosten sind dabei relativ gering: gerade Mal 30 Euro kostet ein Satz Blinker samt Batterien. Natürlich gibt es auch andere Blinker-Varianten, die am Rad befestigt werden können. Das Problem an diesen Blinkern: In Deutschland sind sie nicht gestattet. Denn nach der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) sind Zusatzleuchten am Fahrrad nicht erlaubt. Theoretisch könnte man also dazu gezwungen werden, die Blinker wieder abzubauen. Bei einem Unfall könnte die Versicherung sogar ein Mitverschulden unterstellen, weil das Fahrrad nicht vorschriftsmäßig beleuchtet war. Es gibt jedoch auch Blinker, die nicht am Fahrrad montiert werden müssen und somit nicht der StVZO unterliegen:

Blinker-Wearables für mehr Sicherheit auf dem Straße

Die Rede ist von Blinker-Wearables. Auf Amazon ist zum Beispiel eine Art Rucksack zu finden, der Blink-Signale anzeigen kann. Dies geschieht mittels einer kleinen Steuerung, die am Lenker befestigt wird. Auch hier wird der Stromverbrauch von einer Batterie bezogen. Eine andere Methode sind die Blinkhandschuhe der Firma GTC Germany. Die Idee dahinter ist ziemlich simpel: Der Fahrer streckt den Arm aus und drückt einen Knopf auf der Innenseiten des Handschuhs und die Fingerkuppe des Zeigefingers fängt an zu blinken. Es gibt für jede Jahreszeit eine eigene Variante. Sie müssen sich also nicht im Sommer mit den dicken Winterhandschuhen auf ihr Fahrrad schwingen. Wir finden die Handschuhe praktikabler als die Weste. Beide Systeme haben auch durchaus Einsatzmöglichkeiten am Rollstuhl.

Smart Driving

Der Lenkeraufsatz von Cobi im Detail
Der Lenkeraufsatz von Cobi im Detail

Doch es muss nicht immer nur um die Sicherheit gehen. Der Fahrspaß darf schließlich nicht zu kurz kommen. Smart Driving ist das Zauberwort. Nichts neues beim Autofahren: längst haben Bord-Computer Einzug in unsere Autos gehalten und gelten dort als Standard. Für das Fahrrad ist das jedoch etwas neues. Das möchte das deutsche Unternehmen iCradle ändern. iCradle will mithilfe seines “Connected-Bike” jedes Zweirad in ein Gefährt der Zukunft verwandeln. Connected-Bike oder kurz Cobi, ist eine Kombination aus einem speziellem Lenkeraufsatz, einem speziellen drahtlosen Rücklicht und dem Smartphone des Besitzers samt eigens entwickelter App. Letztere hat Schnittstellen zu diversen Fitness-Apps inklusive Apple Health sowie Online-Diensten wie Spotify. Das Herz des Ganzen ist jedoch der Lenkeraufsatz. Dieser dient vor allem als Halterung für das Smartphone, fungiert aber auch als Ladestation und enthält das Frontlicht.

Endlich: das Bremslicht fürs Fahrrad

Hände am Lenker: Für einfache und sichere Bedienung des Smartphones hat iCradle einen drahtlosen Daumen-Controller entwickelt. Dieser befindet sich an der Stelle, an der sich sonst die Klingel befindet. Die Klingel wurde dafür digitalisiert. Dadurch stehen sogar mehrere Klingeltöne zur Auswahl. Mittels Daumen-Controller soll jedoch nicht nur das Smartphone, sondern auch der Blinker bedient werden. Der Blinker ist in das spezielle Rücklicht integriert. Dieses hat mehrere Funktionen: zum einen natürlich Leuchten, aber auch Richtungswechsel und Bremsmanöver anzeigen. Ein Beschleunigungssensor erkennt, wann der Fahrer zu Bremsen beginnt und zeigt dieses automatisch an. Definitiv eine gute Sache, die vielen Verkehrsteilnehmern den Umgang mit Zweiradfahrern leichter macht. Schließlich gehören plötzliche Bremsmanöver zu den Hauptgründen, die Unfälle zwischen Auto- und Fahrradfahrern verursachen.

Rücklicht, Bremslicht und Blinker in einem
Rücklicht, Bremslicht und Blinker in einem

Die Software von Cobi glänzt dabei durch Einfachheit. Die übersichtliche Oberfläche der App informiert den Fahrer über die aktuelle Geschwindigkeit, die Fahrzeit und die bereits zurückgelegte Strecke, aber auch über die Herz- und Pulsfrequenz des Fahrers. Hierfür müssen natürlich entsprechende Sensoren am Körper befestigt werden – ist ja klar. Es gibt aber noch einige weitere coole Features, durch die Cobi das Fahrrad zu etwas ganz Besonderem macht. Beispielsweise eine intelligente Sicherheitsvorkehrung, die das Fahrrad nur für den Besitzer freigibt (habe ich da gerade Knight Rider oder Street Hawk gehört?). Diese basiert auf einem Bewegungssensor und reagiert mit optischen und akustischen Signalen, wenn das Rad ohne das Smartphone des Besitzers bewegt wird. Damit der Fahrer die Orientierung nicht verliert, hat Cobi in seine App ebenfalls ein Navigationssystem eingebaut, welches ausschließlich auf Openstreet-Material zurückgreift.

Gadget vs Sicherheit: Das Rücklicht ist Pflicht

Ganz schön viel Technik also, aber woher kommt der Strom? Mit dem Stromverbrauch kann man es verschieden handhaben: Entweder schließt man es an den in der Halterung platzierten 6000-Milliampere-Akku oder es wird direkt an den Nabendynamo angeschlossen und der Fahrer sorgt selbst für den benötigten Strom. Der Akku soll für rund sechs Stunden ausreichen. Es ist aber auch eine Variante für E-Bikes geplant. Der Verkaufsstart soll in diesem Sommer sein. Der Verkaufspreis soll dabei zwischen 150 und 250 Euro liegen. Das Vorder- und Rücklicht ist optional und in den einfachsten Paketen nicht dabei. Unserer Meinung nach ist aber gerade die Beleuchtung der Clou des Systems. Ohne Rücklicht und den integrierten Blinker ist Cobi nur ein Gadget. Mit Beleuchtung ist es ein großer Schritt in Richtung sicheres Radfahren.

 Titelbild: Eelkje Bok, freeimages.com

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