7 Fragen an: Lift-Fan „Uplifting PostTower“

7 Fragen an: Lift-Fan „Uplifting PostTower“

Bei unseren Recherchen im Internet stoßen wir immer wieder auf Bilder und Videos von alten Aufzügen, die von „Lift-Fans“ gemacht und veröffentlicht werden. Aufzüge ohne Innentüren oder mit Holzgondel, die heute so nicht mehr gebaut werden (dürfen) sowie die angesetzte Patina – all dies begeistert Menschen manchmal genauso wie alte Schreibmaschinen, Oldtimer oder antike Möbel.

Sebastian Spinella filmt seit über 6 Jahren Aufzüge und stellt sie auf seinem YouTube Kanal „Uplifting Post Tower – Elevation since 2008“ vor. Fast 500.000 Menschen haben sich schon seine Videos von Aufzügen angeschaut. Für das HIRO Blog berichtet er von seinen Erfahrungen:

Wie kommt man an ein so ungewöhnliches Hobby?

Von allen Fragen, die sich so ergeben, ist diese wohl die schwierigste. Die einfachste Antwort wäre wohl „Ich weiß es nicht“, aber das wäre doch etwas zu einfach. Irgendwann, da war ich um die drei Jahre alt, wich ich meinen Eltern bei einem Krankenhausbesuch plötzlich von der Seite. Wo ich dann gefunden wurde, kann man sicherlich erahnen. Später zogen mich Aufzüge regelrecht an, dabei unterschied ich nicht zwischen spannenden und unspannenden Anlagen und empfand Umbauten stets als interessant. Als ich 7 Jahre alt war, besuchte meine Schule das Kloster in St. Augustin, wo ich bei einem hastigen Gang mit der Schulklasse durch den Klosterkeller linker Hand einen Aufzug ohne Innentür einfahren sah. Diese Ästhetik, die dahinter steckt… dieser Moment blieb mir eine lange Zeit in Erinnerung. Um die 10 Jahre steigerte sich mein Interesse an alten Aufzügen. Dann, als Teenager, ließ ich das Thema Aufzüge fallen, begann mich für Bahnen und ÖPNV zu interessieren.

Als 2008 der Schwede Johan B. (Kanal hissen12) seine ersten Aufzugsvideos veröffentlichte, führte es mich zurück zu diesem Thema. Dass zu jener Zeit mein Zug zur Schule andauernd 15 Minuten verspätet war, tat ein Übriges. Ich erinnerte mich, dass Aufzüge den Vorteil haben, dass sie auf Wunsch kommen. Man muss keinen Fahrplan beachten, nachdem die Kabine jede halbe Stunde fährt. Johan B. inspirierte mich mit seinen Videos und im Jahre 2010, zwei Jahre nach Gründung meines Kanals ging es los.

Wie viel Zeit verbringen Sie mit der Suche und dem Filmen von Aufzügen?

Bedienelement außen am HIRO-Lift 5342 von 1963

Ich widme dem Hobby 1-2 Tage in der Woche, manchmal auch 1x innerhalb von 14 Tagen Aufmerksamkeit. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn darin ist das mühselige Bearbeiten der Videos nicht eingerechnet. Rauszufahren und sich überraschen zu lassen ist der schöne Teil der Geschichte, zu Hause bringt das Hobby hauptsächlich Arbeit und Geduld mit sich. Aber der Gedanke, etwas Großartiges mit der Welt zu teilen, lässt mich vergessen. Und falls das nicht reicht, Kopfhörer auf, Musik an – das hält mich wirklich bei Laune :).

Ist Ihnen dabei schon etwas spannendes passiert?

Etwas wirklich aufregendes ist passiert, als ich mit einem weiteren Fan aus Dänemark einen Tagesausflug (Flug ist wörtlich zu nehmen) nach Aarhus unternahm. Das dortige Krankenhaus ist von einem riesigen Tunnelsystem durchzogen. Ein Mitarbeiter gab uns die Info, wo Aufzüge ohne Innentüren zu finden sind, dann war kein Halten mehr. Im Krankenhaus wird das Essen und Personal mit elektrischen Fahrzeugen transportiert. Eines stand gerade da und da sprang er plötzlich auf und fuhr los. Ich stieg nur widerwillig auf (man denke an den Ärger, den man hat, wenn das jemand sieht) und wir heizten durch die Tunnel. Die Reise führte sogar in die Aufbewahrungshalle für jüngst Verblichene. Dort befand sich der legendäre “Radioactive lift” und ein offener Sarg, den ich nicht wagte auch nur anzusehen. Später fuhren wir weiter und der Besitzer des Fahrzeuges hielt uns an! Jetzt gibt’s Ärger? Denkste! Er wollte nur sein Fahrzeug zurück haben, verlor sonst kein weiteres Wort. Wenn man so was wie Schwein haben kann, dann war das an dem Tag ein ganzer Schweinestall! Es war klasse – aber noch mal mache ich so was nicht 🙂

Wie finden Sie die Orte und wie kommen Sie in die oftmals verschlossenen Aufzüge?

Bei der Recherche nach spannenden Orten hilft neben einer starken Internetleitung ein gutes Bauchgefühl: „Hmmm, Gebäude alt, Fensterrahmen sehen etwas verblichen aus, allgemein wirkt die Adresse etwas abgerockt – vielleicht fehlte Geld zur Sanierung nicht nur für das Haus, sondern auch für den Aufzug“. Ich wurde in dieser Annahme ebenso oft bestätigt, wie ich enttäuscht wurde. Ich habe viele Häuser gesehen, deren einziger Umbau der Austausch des alten Aufzuges ist, aber im Großen und Ganzen lohnt es sich trotzdem. Dazu kommen die kaiserlichen Gründerzeit-Wohnhäuser, deren Äußeres schon quasi zu einem historischen Aufzug mit Holzgondel im Inneren verpflichtet.

Manchmal gehe ich einfach ziellos aus dem Haus, setze mich in den Bus und halte Ausschau. Auf diesem Weg habe ich schon viel interessantes gefunden. Der Zutritt ist dann nur eine reine Formsache. Leute, die mich quasi mit dem Gewehr im Anschlag empfangen, gibt es natürlich hier und da auch, aber unter der Gesamtzahl der besuchten Adressen sind sie die klare Minderheit. Ob ich in Berlin eine solche Erfolgsquote habe wie in Hamburg? 🙂 Jedenfalls treffe ich meist auf Personen, die mein Interesse nachvollziehen können. Andere Lift-Fans sind oft überrascht darüber, wenn ich ihnen erkläre wie einfach es sein kann, wenn man den Leuten offen und ehrlich mit dem Anliegen begegnet. Es gibt unter den Lift-Fans viele, die mit ihrem Interesse nicht wirklich im Reinen sind, bzw. sich in dieser Rolle nicht wirklich ernst nehmen. Ich habe irgendwann mal erfahren, dass viele dieser Schlösser universal sind. Ich begann mich darüber zu informieren und Aufzugsersatzteile-Shops bieten da interessante Einblicke. Man glaubt kaum, was in Internetauktionshäusern so alles rauf und runter läuft und so hatte ich bald meinen ersten Schlüsselsatz. Im erweiterten Bekanntenkreis gab es auch Leute, die Kontakte hatten, wodurch ich weitere Schlüssel erlangte. In der früheren Zeit war das für mich der letzte Schrei und ich suchte gezielt nach Aufzügen, deren Ruf einen Schlüssel erforderte. Als Folge hat mein Kanal noch heute die meisten gesperrten Aufzüge von allen Lift-Fans zu bieten.

Im Laufe der Zeit verloren die Schlüssel an Bedeutung. Viele Aufzüge, die ich damals aufgenommen habe, würde ich nach heutigem Maßstab nicht mehr aufnehmen, da sie nicht das gewisse Etwas bieten. Zudem hat sich herausgestellt, dass ein guter persönlicher Kontakt ein viel wirksamerer Schlüssel ist. So lernt man Hintergründe kennen, die einen der Aufzug selber nicht mehr erzählen kann – und natürlich die Maschine selbst.

Was zeichnet einen guten Fund aus?

Bedienelement innen am HIRO-Lift 5342 von 1963

Getreu einer alten kaufmännischen Regel „Je seltener etwas ist, desto teurer kann man es verkaufen“ sind die spannendsten Aufzüge für mich jene, die es so kein zweites Mal gibt oder wo man sehr, wirklich sehr lange suchen darf, um einen Klon zu finden. Für mich spielt Ästhetik eine ganz entscheidende Rolle. Echte Schönheit kann ein Aufzug für sich selten allein erlangen, erst die Gesamtheit aus Aufzügen, Gebäude, Architektur macht es spannend. Wenn es um alte Aufzüge geht, ist es letztlich der Gestaltungsaufwand, die mich einen Aufzug mögen lässt. Der innentürlose Aufzug hingegen ist eine andere, schwer zu erklärende Form. Ich weiß selbst nicht ganz warum, doch aus irgendeinem Grund hat die vorbeiziehende Schachtwand mit ihren Fenstertüren etwas sehr klassisches, einfaches und auch sehr effizientes an sich. Und natürlich ist es selten, zumindest in Deutschland. Und erst recht bei normalen Personenaufzügen.

Anders herum bin ich der Meinung, dass es ein Fehler ist, einen Aufzug „modern“ zu nennen, wenn er mit langsamen Edelstahltüren, Edelstahlkabine und stark zögerndem Anfahr- und Bremsverhalten daherkommt. Modern ist letztlich, was den Menschen gefällt und daher zur Norm wird. Angesichts langsamen Fahrverhaltens und einem Design, das so einfach ist, dass man es glatt übersieht, stehen viele Menschen dem gleichgültig gegenüber: Der Aufzug, das Arbeitstier. Wie modern ein Aufzug ist, messe ich an seiner Effizienz, jedoch auch an seiner Gestaltung. Ein Aufzug, der sehr langsam anfährt und lange braucht, um sich der Etage anzupassen ist vielleicht energieeffizient, verschwendet aber jede Menge Zeit. Punktlandungen und schnelle Starts, das ist echte Effizienz.

In meinen Augen ist eine Edelstahlkabine sehr unästhetisch, ihr wesentlicher Vorteil liegt daran, hygienisch zu sein und einfach gereinigt werden zu können. Ich bin ein Freund von Farbe und von Holz (gern auch Kunstholz). Mehr Farbe, das ändert vieles 🙂 Ein moderner Wolkenkratzer-Aufzug, am besten mit Glasrückwand, elegantem Anfahr- und Bremsverhalten mit Punktlandung, pfeilschnell und nicht farblosen Wänden – ich fänd’s hochgradig spannend.

Viele Leute trauen sich heute in diesem Bezug weniger: Jemand fährt vielleicht ein silbernes Auto, der Partner fährt ein Schwarzes. Das Haus hat weiße Wände und der Aufzug auf der Arbeit hat Edelstahlwände. Das mag etwas überspitzt klingen, aber ein einfacher Blick auf die Straße reicht aus und man sieht jede Menge weißer, silberner, dunkelblauer und schwarzer Autos, unter ihnen ein paar Lichtblicke in vielen bunten Farben. In unserer Aufzugslandschaft nehme ich einen ähnlichen Eindruck wahr.

Gibt es einen Aufzug, mit dem Sie unbedingt noch (oder nochmal) fahren wollen?

HIRO-Lift 5342 von 1963

Grundsätzlich sind von mir gefilmte Aufzüge abgehakt. Egal, wie schön sie waren, in der Regel hege ich nicht den Wunsch, noch einmal hinzugehen und sie zu fahren. Deswegen ist mir sicherlich schon der ein oder andere Umbau entgangen. Vielleicht kehre ich auch gerade deshalb selten zu gefilmten Aufzügen zurück. Der schönste aller Aufzüge, den ich je aufgenommen habe, ist bei den bald 1000 Anlagen gar nicht so einfach zu ermitteln. Der HIRO 5342, den ich 2011 in dem Kloster wiederentdeckte und alle meine Erwartungen übertraf (ich hätte nie im Leben erwartet, dass nicht mal eine Innentür eingebaut wurde) rangiert sehr weit oben (Bild links). Ich glaube, der legendäre Aufzug des Jahres 2013, der 1950’er Hammelsbeck in Köln belegt Platz 1 – noch vor allen anderen Gründerzeit-Aufzügen, vor allen innentürlosen Anlagen und vor jeder Anlage, die ich im Ausland gefunden habe. Eine Gestaltung mit goldenen Messingrahmen, viel Glas und viel, sehr viel Liebe zu guter Arbeit bedarf keiner Worte. Es ist die in Technik und Gestaltung gemeißelte Mode der 50er Jahre – zum Greifen nah. Und in ihrer schönsten Form.

Was waren die interessantesten Orte, die Sie besucht haben?

Einer der schönsten Ausflüge ging nach Velbert in das dortige Klinikum Niederberg. Zu jener Zeit waren alle Aufzüge dort noch immer im Stil der 70er. Und auch das Gebäude war absolut authentisch. Für mich war das wie der Besuch eines Freizeitparkes. Alle Mitarbeiter des Klinikums, die ich angetroffen habe, waren sehr freundlich und verständnisvoll, ich war selten so ausgeglichen wie an diesem Ort. Selten habe ich mich freier gefühlt als hier. Keine versperrten Türen, man hat sich dort vertraut und war stets freundlich – und hinter jeder Ecke war ein weiterer Aufzug versteckt. Das inzwischen geschlossene Krankenhaus Velbert-Neviges stand im krassen Gegensatz dazu, hier war ich kaum willkommen. Ich habe meinen Besuch dort zu einem erfolgreichen Abschluss bringen können aber das Gefühl, wirklich willkommen zu sein hatte ich nicht.

Wo die schönste Erfahrung nun durch ist, teile ich auch gern meine schlimmste Erfahrung. Ein Tagesausflug nach Luxemburg. Ich habe dort, wie in den Niederlanden und Belgien (letzteres vom Hörensagen) viele klassische alte Aufzüge und eine aufgeschlossene Gesellschaft erwartet, die mir und meinem Anliegen wohlwollend gegenüber steht. Ich hatte ja keine Ahnung, wie falsch ich da lag. Die klassischen alten Aufzüge gab es, doch sie waren alle umgebaut. Und alle haben sie ihre großen Scheiben in den Schachttüren verloren, die Innentüren waren noch viel langsamer als hier in Deutschland und die modernisierten Anlagen fuhren noch langsamer und neigten mehr zu Störungen als hier. Und willkommen war ich auch kaum. Die Stadt Luxembourg machte vielmehr auf mich den Eindruck, als habe es gerade einen Terroranschlag gegeben und viele Leute sind nun sehr, sehr misstrauisch und schließen doppelt ab. Etwas grassiert in dieser Stadt, was mich stark an das erinnert, was ich immer wieder über New York und London höre.

Alle Fotos auf dieser Seite zeigen den HIRO Lift 5342 von 1963 im Kloster St. Augustin.
Mit freundlicher Genehmigung von Uplifting PostTower / Sebastian Spinella.

3 Gedanken zu “7 Fragen an: Lift-Fan „Uplifting PostTower“”

  1. Faszinierende Geschichte… und wie bekannt unser Hobby mittlerweile nun geworden ist, dass wir als „Elevator-Community“ aus YouTube nun selbst das Interesse von einer Aufzugsbranche, wie HIRO Lift geweckt haben O.o hätte ich nicht gedacht 🙂 🙂 🙂

    Hallo zusammen,

    ich bin Old lifts Modern Lifts aus YouTube. -Eine junge Frau unter den vielen männlichen „Aufzugs-Fans“

    Sebastian (https://www.youtube.com/user/PostTower/) hat mich ebenfalls von diesem Hobby inspiriert. Von Kind auf an, interessiere ich mich für Aufzüge, wusste bis zu jenem Tag aber nichts von diesem Hobby, bis ich u.a auf eine seiner Videos gestoßen bin, welche sofort mein Interesse geweckt hatten. Erst am 1. August entschloss ich mich, ebenfalls einen „Aufzug-Kanal“ zu eröffnen, und europäische von alt und historische, spezielle, bishin zu modernen Aufzügen zu filmen. Nach meinen anfänglich ersten Testvideos von Aufzügen,war der Hammelsbeck in einem Kölner Bürogebäude der 1. wirklich interessante Aufzug. Als ich von diesem erfuhr, hab ich mich auf dem Weg zu diesen traumhaften Aufzug gemacht. Hatte bei dieser Adresse geklingelt, und mein Anliegen geschildert und nach ner „Film-Erlaubnis“ gefragt. -Diese wurde bejahrt, und schon hatte ich diesen mit Glück noch filmen dürfen. (Da ich erst klein angefangen hatte, stand mir zu diesem Zeitpunkt noch meine Handykamera zur Verfügung, und war leider noch nicht im Besitz meiner aktuellen Kamera…)

    Ich bin sogar auch Admin von folgender Seite: https://www.facebook.com/groups/oldliftsmodernlifts/ dort kommen sämtliche Fotos von Aufzügen zusammen, welche zu geschichts-historischen Zwecken zu Dokumentarischen Gründen in meiner Gruppe präsentiert werden. Ein Besuch lohnt sich! 🙂

    Das war’s erstmal von mir. Falls Sie nun auch Fragen an mich haben sollten, stehe ich unter meiner angegebenen E-Mail-Adresse gerne zur Verfügung.

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